von Seeblick am 16.02.2010, 21:48
Nun ja, eigentlich steht mir in diesem Jahr kein Urteil zu. Ich entschloss mich, daheim zu bleiben, nachdem ich erfuhr, dass es in diesem Jahr 5 Wagen weniger werden. Und damit pack' ich mich schon an meine eigene Nase.
Bei aller Kritik, die es hageln mag, möchte ich doch zu bedenken geben, dass es allein an uns selbst liegt, einen großstadtwürdigen Zug auf den Weg zu bringen. Und es war auch gestern nicht den organisierten Karnevalisten anzukreiden, dass die Zuglänge nicht dem entsprach, was man sich jedes Jahr auf's Neue wünscht. Auch in den kleineren Nachbarstädten sind es vor allem die Vereine, Schulen etc., die Unorganisierten also, die letztendlich einen Rosenmontagszug unter Führung der "Profis" zu einem besonderen Erlebnis für alle machen.
Wir sind es, die entscheiden konnten, ob unserer Stadt ein See gut anstünde, wir sind es, die auf die Barrikaden gehen konnten, als uns ein Kohlekraftwerk aufgepfropft wurde, wir sind es, die Sturm hätten laufen können, (der mehr Wind machte, als 30 Leserbriefe) wenn uns ein historisches Gebäude unter dem Allerwertesten weggerissen wird...
Es liegt also an uns. Wenn wir den Rosenmontagszug verdammen, dann üben wir mitunter Selbstkritik, ohne es zu merken.
Wo waren wir, als die Karnevalsvereine unermüdlich an ihren Wagen arbeiteten, wo viele, als sich der Zug durch Hamm schlängelte? In der Nachbarstadt etwa, um dort mal wieder ablästern zu können, wie schlecht hier alles ist? Darüber hinaus gibt es genug unter uns, die dem Klischee des ach so humorlosen westfälischen Hammers überhaupt nicht entsprechen, somit ist es auch nicht mit dem Satz getan, dass wir halt so sind und es nicht reicht, um mehr daraus zu machen.
An dieser Stelle darf es auch mal Lob hageln: Die Bilder vom Zug zeigen mir, dass es z.B. beim Heessener Club wohl einen Wagenbauer geben muß, der sein Handwerk versteht. Diese Wagen sind wirklich gelungen und kein 08/15-Werk. Der Mexikaner-Spielmannszug (Die Nordenfeldmärker um ihren charismatischen Chef sind immer gut drauf), die "Musik-Felltruppe" u.a. haben genauso ein Lob verdient, wie die Lebenshilfe, die sich zum ersten Mal "eingeklinkt" hat.
Einen Rosenmontagszug, wie ihn Hamm 1976 erlebt hat (5km!), wird es so schnell nicht wieder geben, auf mindestens das doppelte der heutigen Zuglänge könnte er es aber in den nächsten Jahren bringen, wenn sich auch nur ein Bruchteil der vielen Vereine, Schulen oder anderer Einrichtungen beteiligen würde. Dann dürfen es auch weniger Kamelle aus der Zuckerfabrik sein, dafür mehr Musikkappellen aus Hamm. Letztendlich mögen doch die Fahnentrupps der vielen Schützenvereine für eine festlich geschmückte Innenstadt sorgen. So zöge man dem Rosenmontag wieder den doch traditionellen Feiertagscharakter über, den wir uns leider in unserer Stadt mit eigener Hand Stück für Stück zerstören.
P.S.: Es wäre sicher vorteilhaft, wenn der WA demnächst das Motto des kommenden Rosenmontagszuges in Verbindung mit einem großen Anmeldeformular und einigen Kontaktaddressen herausgeben könnte.