von RedaktionHamm am 11.01.2010, 17:15
Mit ihrem Vorschlag, die Strukturen der Stadtbezirke zu ändern und Hamm weiter zusammenwachsen zu lassen, stößt die Heessener Bezirksvorsteherin Sylvia Jörrihsen nicht auf Gegenliebe bei ihren Bezirksvorsteherkollegen. Sie hatte beim Neujahrsempfang des Stadtbezirks angeregt, einen „Sprung über Lippe und Bahn zu suchen“ und die Stadtbezirke zu reduzieren (unsere Zeitung berichtete). Vorstellbare Konstellationen sind diese drei Bezirke: Mitte, Heessen/Uentrop/Rhynern sowie Bockum-Hövel/Pelkum/Herringen. Im Projekt „Im Westen was Neues“ arbeiten die drei Letztgenannten bereits zusammen.
„Für mich waren diese Bezirksgrenzen nie ein Thema, sagte Jörrihsen (1967 geboren) gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. „Ich bin seit 1976 in Hamm, bin in Werries aufgewachsen und zum Gymnasium Hammonense gegangen. Meine Freunde kamen aus ganz Hamm, so dass sich mir das Thema Bezirke nie gestellt hat.“ Vielleicht sei das aber auch für ihre Generation inzwischen selbstverständlich. „Beim Nordrhein-Westfalen-Tag im vergangenen Jahr habe ich zum ersten Mal festgestellt, dass sich die Hammer mit ihrer Gesamtstadt identifizieren und hier sollte man ansetzen“, ist ihre Intention, das Thema neu an zufassen und gemeinsam in den Bezirken zu diskutieren.
„Auf diese Diskussion bin ich gespannt“, sagt Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann. Es sei sehr mutig von Jörrihsen gewesen, dieses Thema beim Neujahrsempfang anzusprechen. „Dafür bewundere ich sie.“ Er selbst wolle sich bewusst aus der Diskussion heraushalten, schließlich sei vor 2014 (dann sind die nächsten Kommunalwahlen) sowieso nichts zu ändern. Allerdings ist der OB skeptisch: „Ich glaube nicht, dass die anderen Bezirksvorsteher die gleiche Meinung wie Frau Jörrihsen vertreten. Das ist sicherlich auch eine Generationenfrage.“ Das Einsparpotenzial bei Abschaffung von einigen Bezirksvertretungen in Zeiten der Wirtschaftskrise sieht der OB allerdings nicht sehr hoch. „Wir würden maximal 200 000 Euro im Jahr sparen.“
Ganz anderer Meinung sind die Bezirksvorsteher Wolf Köhler (Mitte), Doris Conrady (Rhynern), Björn Pförtzsch (Uentrop), Udo Schulte (Pelkum), Klaus Alewelt (Herringen) und Udo Helm (Bockum-Hövel). „Man kann sicherlich trefflich darüber streiten, ob die Stadt Hamm unbedingt sieben Stadtbezirke haben muss. Die Idee von Sylvia Jörrihsen finde ich persönlich aber utopisch, da sich die sieben Stadtbezirke nach der kommunalen Neuordnung 1975 inzwischen eingespielt haben“, argumentiert Wolf Köhler. Alle Bezirksvorsteher sind sich einig, dass die Bürgernähe ihr großes Plus sei. „Und die geht dadurch verloren. Ich kenne in Herringen jedes Schlagloch und jeder Bürger kann mich zu jederzeit darauf ansprechen. Das ist bei einer Änderung nicht mehr so“, meint Klaus Alewelt aus Herringen.
Und Pförtzsch und Conrady erinnern daran, dass man lange darum gekämpft habe, eine Politik der kurzen Wege zu erreichen. „Die fällt dann für die Bürger weg.“
Lokalredaktion Hamm